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2 Wochen MAROKKO 22 Apr 2026 16:06 #529399
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Hallo Leute,
ich war wieder auf Reisen - nach MAROKKO ging es diesmal. Ich habe unten in 2 Links (gelb unterlegt) meine Bilder zugänglich gemacht. Viel Spaß beim Anschauen, Gerd ________________________________ Hallo, Herr Dr. xxx, hallo Schwester yyy, eine neue Reise und wieder viele Bilder – bei Interesse daran stehen sie zur Betrachtung bereit. Natürlich auch für alle Pflegekräfte der Station sowie ärztliche Mitarbeiter, Stations- oder Assistenzärzte, sofern sie das wollen. Die Bilder müssen nicht "in einem Rutsch" angeschaut werden; die Links sind auch später noch gültig und jeder kann sie sich in seinem Rhythmus "zu Gemüte führen". Die Links kommen weiter unten, gelb unterlegt. Marokko war einst eine meiner ersten Reisen in den Orient; schon in meinen frühen 20er Jahren war ich dort. Damals noch als Student in den Semesterferien - zuerst 6 Wochen bei der Post als Briefträger, dann 6 Wochen mit dem Auto nach Süden, durch Frankreich und Spanien und weiter mit der Fähre über die Straße von Gibraltar gen Marokko. Marokko ist – nach meiner Einschätzung – das farbenfroheste Land des ganzen Orients und steht geradezu exemplarisch für die gesamte Region dieses Kulturkreises. So ist es nicht erstaunlich, dass gerade dort der Tourismus blüht und die Anzahl der Reisenden Jahr für Jahr steigt; mittlerweile liegt ihre Zahl schon bei 20 Millionen Besucher pro Jahr (zum Vergleich: Türkei 60 Mio, Spanien 90 - 100 Mio pro Jahr): Ein wichtiger Erwerbszweig und Devisenbringer für das Land - und die Einheimischen heißen die Touristen herzlich willkommen. Es gibt keine (aufgezwungene) Kleiderordnung, Frauen brauchen sich nicht verhüllen und in den (großen) Supermärkten gibt es sogar alkoholische Getränke (!) zu kaufen. ERSTE WOCHE photos.app.goo.gl/FPsSABRUKEZ5Vafy9 Unsere Reise startet in Agadir, wo wir nach einem kleinen Umweg über Amsterdam gegen Abend landen. Schon unsere erste Übernachtung findet in einem sog. „Riad“ statt. Das ist eine spezielle Form von Herbergen, die es so nur in Marokko gibt. „Riad“ ist ein arabisches Wort, es bedeutet „Garten“ und bezeichnet einen besonderen Baustil – die äußere Form ist oft eher unscheinbar, das Innere dafür aber umso prächtiger. Kommt man hinein, findet sich in der Mitte einer großen Eingangshalle oft ein Brunnen und in den Stockwerken darüber liegen die Gästeräume. Riads sind oft mit kunstvollen Mosaikfliesen, Stuckarbeiten und geschnitztem Holz verziert. Viele verfügen über eine Dachterrasse, die einen Blick über die Altstadt bietet. Man könnte nun meinen, dass das alles schrecklich teuer wäre, aber wir haben fast immer (z.T. deutlich) unter 100 €/Nacht gezahlt. Der Name der Stadt „Agadir“ bedeutet Speicher, und in der Umgebung finden sich noch einige dieser Exemplare; dorthin führt uns unser erster Ausflug. Und gleichzeitig ein erstes Highlight für meine Frau, die hier ihrer Leidenschaft für "Lost Places" frönen kann. Am Ende dieser 1. Woche wird sie am Rande des Atlasgebirges noch einmal die Möglichkeit dazu haben, dann sogar noch etwas intensiver. In Agadir dann auch die 1. Dialyse. Das nächste Ziel ist Marrakesch, etwa 300 km entfernt. Auch hier wieder wohnen wir in einem schönen Riad mit einer schönen Dachterrasse. Am Abend diesen Tages sucht ein gewaltiges Gewitter die Stadt heim, nur noch übertroffen vom Abend des darauf folgenden Tages, wo es schüttet, wie man es nur sehr selten in unseren Breiten erlebt. Hier in Marrakesch ist natürlich die Medina (Altstadt) unser Ziel, das Gewirre von Gassen und Gässchen mit all den Geräuschen und Gerüchen des Orients. In Marrakesch 1 Dialyse. Google Maps weist eine Gesamtstrecke von 2.800 km aus; unsere betrug etwas mehr als 3.100. Die Mehrkilometer waren hauptsächlich dialysebedingt. Der nächste Tag bringt uns zu den Wasserfällen von Ouzoud, wo wir im Hotel Borj des Cascades von unserem Balkon aus einen direkten Blick auf die Fälle haben. Am darauffolgenden Tag erreichen wir Meknes, eine der 4 Königsstädte (Fes, Marrakesch, Rabat und Meknes) und wir übernachten wieder in einem Riad. In Meknes dann 3 Dialysen (Sa/Di/Do). Nun naht das sog. "Lange Intervall", an dem wir ein umfangreiches Programm absolvieren. Es soll wieder in südliche Richtung gehen, näher zu den schneebedeckten Bergen des Atlasgebirges, in dem es etliche Bergwerke gibt. Eines davon ist aufgelassen und ein paar von den ehemaligen Minenarbeitern betreiben dort eine bescheidene Gästeunterkunft. Das ist unser Ziel und meine Frau, die ein gewaltiger Fan von sog. "Lost Places" ist, freut sich schon darauf. Über schlechte Straßen und am Schluss durch eine enge Schlucht erreichen wir das Ziel. ZWEITE WOCHE photos.app.goo.gl/2DmMJZEVQLiH3H2X9 Der Sonntag beginnt, und wir sind froh, die Nacht hinter uns gebracht zu haben und fahren zunächst weiter Richtung Süden. Wir passieren etliche große Oasen mit gewaltigen Dattelpalmplantagen und so allmählich werden die nördlichen Ausläufer der marokkanischen Sahara sichtbar. Zum Ausgleich für die letzte Nacht übernachten wir im stilvollen Maison d' hotes Sahara. Nun geht es wieder nach Norden - und vorbei an Zedern, Berberaffen und Vulkanen erreichen wir wieder Meknes, wo wir diesmal in einem schmucklosen Stadthotel übernachten. Am frühen Morgen wieder Dialyse in Meknes. Am Nachmittag, nach der Dialyse, geht es weiter nach Norden, in die "Blaue Stadt" Chefchaouen. In etwa 220 km ist unser heutiges Ziel erreicht. Wir staunen über die üppig-grüne Landschaft auf unserem Weg - grün, soweit das Auge reicht. Ein Anblick, der sich so nur im Frühjahr bietet; sobald die heißen Sommermonate nahen, verwandelt sich diese Landschaft und wechselt zu gelb-braunen Farbtönen. Chefchaouen (ca. 50.000 Einw.) ist wirklich eine besondere Stadt, sie wird auch "Blaue Perle" genannt. So etwas in Blau gibt es auch nochmal, weit weg von Marokko - in Indien, in der Millionenstadt Jodhpur in Rajastan. Dort kennzeichnet die Farbe Blau die Zugehörigkeit zur Kaste der Brahmanen, hier in Marokko gibt es mehrere Deutungen dieser Farbe: Die einen sagen, das Blau sei wegen der Hitze im Sommer, wahrscheinlicher aber ist, dass es auf die (ehemalige) jüdische Bevölkerung zurückgeht, die im Blau den Himmel und Gottes Präsenz auf Erden sahen. Am nächsten Tag geht es auf gleicher Strecke wieder zurück nach Meknes, unterbrochen von einem Stop bei der antiken römischen Stadt Volubilis (ein wichtiges römisches Verwaltungszentrum, ca. 25 v.Chr. bis 3. Jhdt. nach Chr.), deren guterhaltene Ruinen, Bodenmosaike und Tempel nahe der Stadt Meknes liegen, sowie ein Besuch der ebenfalls in der Nähe gelegenen Stadt Moulay Idris; hier befindet sich das Grab des Staatsgründers, Idris I, gest. 791 n.Chr. Das Mausoleum selbst darf nicht besichtigt werden, von einer erhöhten Aussichtsterrasse hat man aber einen guten Blick darauf. In Meknes übernachten wir wieder innerhalb der Stadtmauern in einem schönen Riad (mit Dachterrasse) und für mich geht es am nächsten Morgen in aller Frühe zur Dialyse. Nun neigt sich diese Reise mit Riesenschritten ihrem Ende zu: Heute liegt eine Strecke von 500 km (!) vor uns, das Ziel ist wieder Marrakesch. Dank hervorragend ausgebauter, mautpflichtiger und daher schwach befahrener Autobahnen lässt sich diese Distanz gut in 6 Stunden bewältigen. Auf dieser Strecke kommen wir zur Atlantikküste und wir machen einen kurzen Stop in Casablanca. Hier befindet sich die zweitgrößte Moschee der Welt, die Hasan II - Moschee. Von der Kapazität her folgt diese Moschee direkt auf die Große Moschee in Mekka (al Haram Moschee in Saudi Arabien), die unmittelbar an die Kaaba, dem größten Heiligtum der Muslime, angrenzt. Im Gegensatz dazu darf die Hasan II - Moschee aber auch von Nicht-Muslimen - als einzige in Marokko (!) - betreten werden. Wir verzichten allerdings auf eine nähere Erkundung und nehmen mit der äußeren Erscheinung dieses Bauwerks vorlieb. Nach einer kurzen Pause dort erreichen wir Marrakesch, wo wir wieder in unserem Riad, in dem wir schon bei unserem ersten Aufenthalt hier übernachtet haben, die Nacht verbringen. Am nächsten Morgen Dialyse. Heute ist schon Samstag und morgen geht unser Flieger zurück in die Heimat. Also müssen wir am Nachmittag die 250 km nach Agadir zurücklegen; auch hier gibt es eine gebührenpflichtige Autobahn, die wir teilweise nutzen. Das Ziel ist wieder der Riad, in dem wir bei unserer Ankunft vor 2 Wochen auch schon übernachtet hatten. Tags drauf geht es zum Flughafen, unsere aus Stuttgart kommende Maschine kann wegen dichten Nebels in Agadir nicht landen, dreht nach einigen Ehrenrunden am Himmel über Agadir wieder ab, fliegt zum Ausweichflughafen nach Marrakesch und landet schlussendlich, 2 Stunden verspätet, tatsächlich in Agadir, um die wartenden Passagiere aufzunehmen und nach Stuttgart zu bringen. In den Lüften geht unsere Route geradewegs über die Straße von Gibraltar, wo wir die Meerenge aus 10.000 m Höhe gut sehen können. 2,5 Stunden später landen wir auf unserem Heimatflughafen und auch diese Reise kommt zu einem glücklichen Ende. _______________________ Diese Reise hat ca. 1.600 € pP gekostet und wurde komplett selbst konzipiert und durchgeführt. Die 6 Dialysen in 3 Stationen wurden über www.bookdialysis.com organisiert. Das eigentlich Wichtige bei solchen Reisen ist die akkurate Definition der Adressen von Sehenswürdigkeiten, Hotels und - am Wichtigsten aber (in meinem speziellen Falle) - die exakte Lokalisierung der betreffenden Dialysen. Das erfordert gute Kenntnisse im Umgang mit Google Maps, damit die genaue Festlegung der Koordinaten dieser Stationen gelingt. Meine Frau kann das wie kein Zweiter und ich kann mich blind darauf verlassen. In der Praxis bedeutet das dann, die Ziffernfolge dieser Koordinaten fehlerfrei in das Navi zu übertragen und das Navi rechnet die Route aus und zeigt sie an. Wir haben auf allen unseren Reisen mit Dialyse darauf geachtet, dass wir am Vorabend der Dialysen, noch bevor wir in unser jeweiliges Hotel eincheckten, kurz bei der Dialysestation vorbeifahren, nur um uns zu vergewissern, dass wirklich alles OK ist und die Station auch wirklich dort war, wie sie berechnet wurde. Es gab aber dieses Mal eine Situation, wo dies - aus irgendeinem Grund - nicht möglich war, schon am Vorabend zu überprüfen. Das war in Marrakesch. Und es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man kurz nach 6 Uhr morgens in stockdunkler Nacht, losfährt und kaum etwas sieht oder erkennen kann und das Navi lotst einen durch unbekannte verwinkelte Gassen und durch Gegenden, in denen man alles erwarten kann, nur keine Dialyse. Und plötzlich, man gibt schon jegliche Hoffnung auf, als das Navi "noch 100 m zum Ziel" verkündet, und an einer Ecke etwas weiter vorn, ein mattes Licht sichtbar wird und beim Näherkommen sieht man, ja, man "ist tatsächlich (!) am Ziel". Wenn man die Vorbereitung mit Google Maps richtig macht, gibt es nie wieder "suchen", sondern immer nur "finden". Und noch ein kleiner, aber interessanter Effekt, den ich bemerkt habe, je mehr und je öfter ich als Dialysepatient verreist bin: Man sieht die Unterschiede der einzelnen Stationen zur Heimatdialyse sehr deutlich und bei mir hat das ganz klar ergeben, dass, je mehr "fremde" Dialysen ich kennenlerne, desto mehr wird mir klar, dass ich mit keiner dieser Stationen tauschen möchte und ich merke, dass mir die Dialysestation in Tübingen die liebste ist und ich jedesmal wieder gerne dahin zurückkehre. Sollte auch mal gesagt werden, denke ich. Und, vielleicht auch noch wichtig: Ganz egal, um welche Station in welchem Land es sich gehandelt hatte, stets war die medizinische Qualität der Behandlung tadellos, es gab nie was auszusetzen. Ich wünsche allen viel Spaß beim Betrachten der Bilder!
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