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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 15 Jun 2023 10:00 #523037

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 20 Jun 2023 13:29 #523082

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@FarmerFiver
Moin,
mir wurde sofort zu Dialysebeginn die Möglichkeit der Heimdialyse optional angeboten. Das war allerdings 2011/11. Könntest du mal darlegen, warum aus deiner Sicht dazu ein Petitionsverfahren notwendig wäre?

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 20 Jun 2023 17:32 #523091

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Es geht um ein Recht auf Heimdialyse. Übrigens kann man die Petition auch im Petitionsforum diskutieren.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 25 Jul 2023 11:53 #523416

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Hallo,
ich hab mir mal die Petition und die Kommentare angeschaut.
Prinzipiell ist die Förderung der Heimdialyse ja eine gute Idee, aber leider verpufft so eine Aktion völlig, weil es niemand - oder fast niemand - mitkriegt und auch das Ziel unklar bleibt.
die Kommentare zeugen auch von erheblicher Unwissenheit.
so blöd das ist - wir müssen uns zusammentun und Verbündete und Öffentlichkeit suchen, sonst verpulfern wir unsere Kräfte.
Deshalb bin ich im Verein HDP e.V. (Heim Dialyse Patienten e.V. ) aktiv, da können wir zusammen mehr bewirken.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 30 Jul 2023 07:34 #523459

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die Kommentare zeugen auch von erheblicher Unwissenheit.
Eine bundesweite, professionelle PR-Kampagne wäre natürlich fein, aber woher die Millionen dafür nehmen?.

so blöd das ist - wir müssen uns zusammentun und Verbündete und Öffentlichkeit suchen, sonst verpulfern wir unsere Kräfte.
Deshalb bin ich im Verein HDP e.V. (T ) aktiv, da können wir zusammen mehr bewirken.
Auf der Homepage steht
"Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Betroffene und deren Angehörige über ein lebenswertes Leben mit chronischer Nierenerkrankung persönlich und individuell zu informieren."
Das ist sicher auch eine sinnvolle Tätigkeit, aber etwas anderes, als eine Recht auf Heimdialyse politisch durchzusetzen.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 31 Jul 2023 19:21 #523496

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Hallo, FarmerFiver,
ich verstehe den Text der Petition so, dass sie sich auf eine bestimmte Patientengruppe bezieht, nämlich die, die zwar medizinisch für Heimdialyse geeignet wäre, aber aus anderen Gründen diese nicht möglich ist. Es handelt sich also um diejenigen, die auch keiner Zentrumsdialyse bedürfen, diese also im Sinne der geltenden Regelungen gar nicht machen dürfen. Leider kann kein Gesetz dazu zwingen, Patienten, die nicht geeignet sind, in Heimdialyse zu schicken. Wie sollte das denn funktionieren?
Der weitere Text der Petition erwähnt, dass es sich (zumindest teils) um Patienten handelt, die eine Hilfsperson zur Durchführung der Dialyse benötigen, und eine solche nicht zur Verfügung haben.
Manchmal geistert ja auch die Meinung herum, man dürfe nur mit Hilfsperson Heimdialyse machen. Dem ist aber nicht so, auch allein lebende Personen können Heimhämodialyse machen.
wer eine Hilfsperson benötigt, braucht also entweder Familie, eine Pflegeperson (es gibt schon einen Verein, der sich um ambulante Dialysepflege bemüht - nadia-netzwerk.de/) oder eine limited-care Dialyse.
wie soll denn eine Petition hier etwas ändern? Man kann ja schlecht ins SGB reinschreiben, dass jeder, der das benötigt, für die Heimdialyse eine Pflegeperson gestellt bekommt, die dann flexibel zu den Patientenwunschzeiten kommt und das notwendige regelt. Es muß am Ende auch organisierbar und finanzierbar sein. (Es gibt ja auch konkurrierende Maßstäbe, z.B. das Wirtschaftlichkeitsgebot in der Krankenversicherung)
Immerhin gibt es ein Recht auf das geeignetste Dialyseverfahren, nur wird das trotz geltender Regelungen in der Praxis oft unterlaufen.
Noch was anderes: Welchen Text möchtest Du denn genau eingefügt haben ins SGB?
VG fAntonio
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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 31 Jul 2023 20:10 #523497

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Hallo, FarmerFiver,
ich verstehe den Text der Petition so, dass sie sich auf eine bestimmte Patientengruppe bezieht, nämlich die, die zwar medizinisch für Heimdialyse geeignet wäre, aber aus anderen Gründen diese nicht möglich ist. Es handelt sich also um diejenigen, die auch keiner Zentrumsdialyse bedürfen, diese also im Sinne der geltenden Regelungen gar nicht machen dürfen. Leider kann kein Gesetz dazu zwingen, Patienten, die nicht geeignet sind, in Heimdialyse zu schicken.
Es wird keiner geschickt, sondern die Petition würde sicherstellen, man kann, wenn man will und keine medizinischen Bedenken bestehen.

Der weitere Text der Petition erwähnt, dass es sich (zumindest teils) um Patienten handelt, die eine Hilfsperson zur Durchführung der Dialyse benötigen, und eine solche nicht zur Verfügung haben.
Manchmal geistert ja auch die Meinung herum, man dürfe nur mit Hilfsperson Heimdialyse machen. Dem ist aber nicht so, auch allein lebende Personen können Heimhämodialyse machen.
Das können sie nicht, wenn der Arzt nein sagt, zum Beispiel, wenn diese Meinung in seinem Kopf geistert oder warum auch immer.

Man kann ja schlecht ins SGB reinschreiben, dass jeder, der das benötigt, für die Heimdialyse eine Pflegeperson gestellt bekommt, ...
Sicher kann man das, wenn man der Gesetzgeber ist. Das ist genau dessen Job.

... die dann flexibel zu den Patientenwunschzeiten kommt und das notwendige regelt.
So funktioniert ambulante Behandlungspflege bei allen möglichen anderen Behandlungen. Warum ist das gerade bei einer Dialysebehandlung unmöglich?

Es muß am Ende auch organisierbar und finanzierbar sein. (Es gibt ja auch konkurrierende Maßstäbe, z.B. das Wirtschaftlichkeitsgebot in der Krankenversicherung)
Wenn im SGB V ein Leistungsanspruch steht, kann die Leitung nicht einfach abgelehnt werden, weil es billiger wäre, sie nicht zu erbringen. Das ist ja wohl praktisch immer so. Warum soll das nicht organisierbar und finanzierbar sein? 100 Milliarden Sondervermögen Heimdialyse, denke ich, könnten einige Zeit reichen, oder nicht?
Es ist doch noch nicht einmal klar, dass das überhaupt teurer kommt. Nur verdienen dann Pflegekräfte statt Taxifahrer.

Immerhin gibt es ein Recht auf das geeignetste Dialyseverfahren, nur wird das trotz geltender Regelungen in der Praxis oft unterlaufen.
Interessant. Wo steht das und wie wird es unterlaufen?

Noch was anderes: Welchen Text möchtest Du denn genau eingefügt haben ins SGB?
Das ist mir ziemlich egal, solange er den Zweck erfüllt.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 31 Jul 2023 23:56 #523498

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Hallo, FarmerFiver,
danke für Deine ausführliche Antwort. Fangen wir mit dem SGB an. Das Sozialrecht regelt die Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems, aber nicht einzelne Behandlungsmethoden. Dies würde zu einem ständigen Änderungszwang führen, weil sich ja Behandlungsmethoden weiterentwickeln, neue dazu kommen, alte verschwinden. Deshalb ist die Systematik so, dass in § 135 Abs. 2 (hier: www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__135.html), auf den du ja verweist, ein Rahmen für besondere Behandlungsmethoden gesetzt wird und für inhaltliche Regelungen auf die Vertragspartner der Bundesmantelverträge verwiesen wird, ebenfalls auf Qualitätsvoraussetzungen.
Weiteres regelt der Bundesmantelvertrag zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Spitzenverband der Krankenkassen ( Bundesmantelvertrag-Ärzte, Vertragsdatum: 21.08.2013, Fassung vom: 19.06.2023, Inkrafttreten: 01.07.2023, hier: www.kbv.de/html/bundesmantelvertrag.php). Dieser Vertrag regelt als allgemeiner Inhalt die vertragsärztliche Versorgung, auf Dialyse wird in Anlage 9.1 Bezug genommen.
Daneben gilt die Vereinbarung gemäß § 135 Abs. 2 SGB V zur Ausführung und Abrechnung von Blutreinigungsverfahren, Vertragsdatum: 16.06.1997, Inkrafttreten: 01.04.2014 hier: www.kbv.de/html/themen_2825.php
und schließlich die Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (hier: www.g-ba.de/richtlinien/105/ , In Kraft getreten am: 01.01.2023), zuvor galt die Qualitätssicherungs-Richtlinie Dialyse (nicht mehr in Kraft) hier: www.g-ba.de/richtlinien/45/ , auf dieser Seite findet man auch die Qualitätsberichte zur Dialyse aus den vergangenen Jahren.
was steht da nun drin:
in Der Anlage 9.1 zum BMV-Ä steht der Versorgungsauftrag für Nephrologen beschrieben, in Abschnitt 2 §3 Abs. 1 steht die Auswahl des für den Patienten individuell geeigneten und wirtschaftlichen dialyseverfahrens.
In der Qualitätsvereinbarung (alt) war geregelt, das Ausführung und Abrechnung von Leistungen zur Dialyse an die Einhaltung der Qualitätsrichtlinien gebunden sind, was in §5 voraussetzt, dass alle Dialyseformen angeboten werden, ggf. in Form von Kooperationen mit anderen Anbietern. Hier sind §5 Abs. 6 und vor allem 7 interessant, weil hier eine Begründung dokumentiert werden muß, warum jemand nicht Heimdialyse machen kann(!).
also kurzgefasst: Dialyseleistungen darf eine Praxis nur erbringen und abrechnen, wenn sie alle dialyseformen anbietet und die auswahl des individuell geeigneten Verfahrens dokumentiert, dementsprechend auch darüber aufklären muß.
Das meinte ich damit, dass es ein Recht auf Heimdialyse schon gibt. Allerdings gibt es hier in Bezug auf Heimdialyse viele pro-forma-Kooperationen, die nur auf dem Papier bestehen, und die Aufklärung über die Dialyseverfahren läuft keinesfalls flächendeckend und neutral (siehe Ergebnisse der MAU PD-Studie). Das meinte ich, als ich von unterlaufen der vorhandenen Regelungen sprach.
Nur - die Petition ändert an der Situation nichts.
Vielmehr muß aus den Ergebnissen der qualitätsrichtlinien und Befragungen mehr Druck entstehen in Richtung besserer Aufklärung und Entscheidungsfreiheit. Deshalb verfolgen wir mit großem Interesse die Bearbeitung der Qualitätsrichtlinie im gemeinsamen Bundesausschuss, s.a. Mediathek der letzten sitzung des GBA, die Sitzungen werden aufgezeichnet. Außerdem werben wir auch bei Ärzten für ein Umdenken für mehr Heimdialyse, aber auch Nachtdialyse usw., so daß möglichst flächendeckend mehr Wahlfreiheit entsteht.
Mehr Druck entsteht derzeit auch durch den zunehmenden Personalmangel.
Fakt ist, dass der Anteil an PD und Heimhämodialysepatienten in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich ist, was sicher nicht medizinisch bedingt ist, und Fakt ist aber auch, dass die Gründe für die geringe Akzeptanz insb. für Heimhämodialyse zwar oft bei den Ärzten liegen, aber eben auch darin, dass viele, die ein Heimverfahren machen könnten, es sich im Zentrum bequem gemacht haben, weil man dort eben andere Vorteile hat (Vollversorgung, je nachdem Essen, Kontakte etc.), was ich durchaus nicht schlecht machen will, für manche ist das auch wichtig. Ich war ja auch selbst mal ein Jahr im Zentrum. Und ob uns das gefällt oder nicht, die Wirtschaftlichkeit spielt eben auch eine Rolle, ich sehe weit und breit leider kein Sondervermögen. Also müssen wir dafür werben, dass das Geld besser in Heimdialyse als in Transportkosten gesteckt wird.
Noch ein Wort zum ambulanten Pflegedienst: Mit der Freiheit ist es da nicht soweit her, wenn der Zeitplan der Mitarbeiter*innen so eng ist, Personal fehlt und man vom einen zum nächsten Patienten hetzen muß. Wer mal wegen Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe auf den Pflegedienst gewartet hat, weiß, wovon ich rede. Aber, da stimme ich zu, Menschen, die keine Verwandschaft haben, sollten deswegen nicht benachteiligt sein, daran arbeitet ja NADIA.
entschuldigung, ist eine etwas schwere Kost....
Viele Grüße
Antonio
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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 31 Jul 2023 23:58 #523499

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Hier noch die MAU-PD Studie: www.maupd.uni-koeln.de/publikationen/
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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 01 Aug 2023 10:25 #523501

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danke für Deine ausführliche Antwort.
Oh, da nicht für. Ich danke für dein Interesse am Thema.

Fangen wir mit dem SGB an. Das Sozialrecht regelt die Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems, aber nicht einzelne Behandlungsmethoden.
Die Frage ist, ob mich das interessieren muss, ob mir das Detailwissen der verwaltungstechnischen Abläufe irgendwie weiterhilft. Vita brevis, ars longa . Das sehe ich derzeit nicht, deswegen erlaube ich mir mal, dem allen nicht im Detail nachzugehen, sondern direkt darauf zu bauen, was Du zitierst.

in Der Anlage 9.1 zum BMV-Ä steht der Versorgungsauftrag für Nephrologen beschrieben, in Abschnitt 2 §3 Abs. 1 steht die Auswahl des für den Patienten individuell geeigneten und wirtschaftlichen dialyseverfahrens.

"Der Versorgungsauftrag umfasst ... . Hierzu gehört: ... – Auswahl und Durchführung des für den Patienten individuell geeigneten
und wirtschaftlichen Dialyseverfahrens ..."

Die Auswahl ist Teil des Versorgungsauftrags. Das macht der Arzt. Das wäre verständlich, wenn es ausschließlich um medizinische Kriterien ginge. Aber das ist nicht so. Manche Patienten wollen das so. Der Arzt soll, der paternalistische Übervater sein, der sagt, wo es lang geht und was die richtigen Lebensentscheidungen sind. Die könne das ja auch weiterhin haben. Aber es gibt keinen Grund, das für alle so vorzuschreiben.

weil hier eine Begründung dokumentiert werden muß, warum jemand nicht Heimdialyse machen kann(!).
Warum der Arzt meint dass er nicht kann. Das ist in Ordnung, solange es um medizinische Hindernisse geht. Aber auch nur dann.

Dialyseleistungen darf eine Praxis nur erbringen und abrechnen, wenn sie alle dialyseformen anbietet und die auswahl des individuell geeigneten Verfahrens dokumentiert, dementsprechend auch darüber aufklären muß.
Das meinte ich damit, dass es ein Recht auf Heimdialyse schon gibt.
Der Punkt mit der Aufklärung führt hier meines Erachtens vom Thema weg, deswegen ignoriere ich das. Das was Du mit "Recht auf Heimdialyse" meinst, ist also, dass der Arzt das Recht der Wahl hat. Ich will das Recht der Wahl beim Arzt nur soweit es um medizinische Fragen geht. Ansonsten will ich das Wahlrecht beim Patienten haben. Man könnte doch meinen, das wäre die naheliegendste Sache der Welt: Wenn es verschiedene, medizinisch etwa gleichwertige Optionen gibt, dann wählt der Patient.

Allerdings gibt es hier in Bezug auf Heimdialyse viele pro-forma-Kooperationen, die nur auf dem Papier bestehen, und die Aufklärung über die Dialyseverfahren läuft keinesfalls flächendeckend und neutral (siehe Ergebnisse der MAU PD-Studie). Das meinte ich, als ich von unterlaufen der vorhandenen Regelungen sprach.
Nur - die Petition ändert an der Situation nichts.
Die Petition beseitigt einen Fehler im System. Sie ist kein Allheilmittel.
Die Petition entzieht dem Arzt die Möglichkeit einfach über die Behandlung zu entscheiden. Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder es ergibt sich sowieso schon aus rein medizinischen Gründen, welche Behandlung gewählt werden soll. Dann wird diese durchgeführt. Daran ändert die Petition nichts. Der interessante Fall ist, dass mehrere Möglichkeiten bleiben. Eine Behandlung ist aber erforderlich, der Arzt allein kann es nicht entscheiden, wozu wird das also vermutlich führen? Anscheinend doch genau zu dem, was gewollt ist: Der Arzt wendet sich an den Patienten, damit der wählt.

Vielmehr muß aus den Ergebnissen der qualitätsrichtlinien und Befragungen mehr Druck entstehen in Richtung besserer Aufklärung und Entscheidungsfreiheit.
Jetzt ist die Entscheidungsfreiheit den Patienten ganz offiziell genommen. Können wir uns nicht darauf einigen, dass das nicht so sein sollte und sie diese offiziell bekommen sollten? Dass das vielleicht noch nicht reicht, bestreite ich nicht.

Und ob uns das gefällt oder nicht, die Wirtschaftlichkeit spielt eben auch eine Rolle, ich sehe weit und breit leider kein Sondervermögen.
Das sieht man vorher auch nicht unbedingt, das wird einfach so erfunden.

Also müssen wir dafür werben, dass das Geld besser in Heimdialyse als in Transportkosten gesteckt wird.
Bei wem soll hier geworben werden? So wie es jetzt ist, müsste der Patient doch zuerst einmal beim Arzt werben, dass dieser ihm Heimdialyse verordnet. Warum sollte er das müssen, wenn medizinisch nichts gegen Heimdialyse spricht? Warum kann man dem Patienten nicht einfach die Möglichkeit zurückgeben, die ihm durch die derzeitige Regelungslage ja überhaupt erst genommen ist, nämlich unter mehreren medizinisch gleichwertigen Alternativen zu wählen. Das ist doch bei anderen Erkrankungen mit Behandlungsalternativen auch so. Warum muss das bei der Dialyse anders sein? Warum nimmt man da als völlig normal hin, was sonst als übergriffig gelten würde. Der Arzt entscheidet anhand sozialer, organisatorischer oder sonstigen Kriterien, also anhand der Vorstellungen die er über die soziale etc. Lage des Patienten hat, welche Behandlung dieser zu wählen hat. "Also wissen Sie Herr Meier, das mit der künstlichen Hüfte, das lassen wir mal lieber sein. Zwar könnte man das trotz ihres Alters medizinisch schon noch verantworten, aber ich kenne ja ihre Familie und so eine OP würde die sehr belasten. Ich verordne Ihnen jetzt mal einen Rollstuhl und schicke Ihnen den Sozialdienst vorbei, der ihnen dann hilft den behindertengerechten Umbau zu beantragen. Wir kümmern uns um Sie und wollen doch nur das Beste für Sie."

Noch ein Wort zum ambulanten Pflegedienst: Mit der Freiheit ist es da nicht soweit her, wenn der Zeitplan der Mitarbeiter*innen so eng ist, Personal fehlt und man vom einen zum nächsten Patienten hetzen muß.
Die Petition befasst sich mit einem Problem. Sie löst sicherlich nicht alle.

Menschen, die keine Verwandschaft haben, sollten deswegen nicht benachteiligt sein, daran arbeitet ja NADIA.
Das ist auch wieder ein anderes, weiteres Problem. Betrachte es mal umgekehrt. Angenommen NADIA würde bereits perfekt funktionieren, also es würde überall in Deutschland Personal zur Verfügung stehen, dass bei einer Heimdialyse unterstützt. Dann ist das Personal davon aber noch nicht bezahlt. Dann hat der Patient deswegen aber noch kein Recht darauf, dieses Personal in Anspruch zu nehmen. Eben ein Recht auf Heimdialyse.

Ich versteh schon, dass manche Leute sagen "Ja aber wer soll denn das machen? Da müssen wir doch erst eine Versorgungsstruktur aufbauen, sonst funktioniert das doch nicht. Erst muss man das mal haben, sonst nutzt das Recht doch gar nichts, weil es gar nicht praktisch durchführbar ist." Das ist ja auch klar und völlig einleuchtend, nur halt leider auch völlig falsch. Das ist nicht, wie wir in Deutschland die Dinge machen.

Es ist durchaus üblich, zuerst ein Recht herzustellen, siehe etwa "Recht auf Kita-Platz" und es dann den für die Versorgung zuständigen Institutionen zu überlassen, die konkrete Versorgungsstruktur aufzubauen. Warum soll das bei Heimdialyse nicht möglich sein? Lasst uns die Dinge tun, wie es sich bewährt hat.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 01 Aug 2023 11:16 #523502

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@Antonio
www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pres...waehrend-der-dialyse
Petitionen und sonstige Forderungen haben immer mehr Aussicht auf Erfolg, wenn die finanzielle Vorteile erwarten lassen.
Genau das wird u. A. durch diese Studie gezeigt, nämlich dass bei zentrum- oder praxengestützten Dialysen durch Sport während dieser die Kosten von derzeit 800 €/Dia./Pat. signifikant gesenkt werden können. Dialyse gilt somit mit als Eins der teuersten Patientenversorgungsverfahren. Da aber die wenigsten Dia- einrichtungen über Ergometer verfügen, könnte eben dies ein Vorteil von Heimdialyse sein. "Ambulant vor stationär" ist eine gültige Prämisse in der Versorgung, also noch ein Vorteil für die Heimdialyse!

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 01 Aug 2023 11:26 #523503

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@FarmerFiver
Zitat: Die Auswahl ist Teil des Versorgungsauftrags. Das macht der Arzt. Das wäre verständlich, wenn es ausschließlich um medizinische Kriterien ginge. Aber das ist nicht so. Manche Patienten wollen das so. Der Arzt soll, der paternalistische Übervater sein, der sagt, wo es lang geht und was die richtigen Lebensentscheidungen sind. Die könne das ja auch weiterhin haben. Aber es gibt keinen Grund, das für alle so vorzuschreiben.

Ganz genau. Daher stammt ja auch die Bezeichnung "Patient" vom lateinischen pati = der Empfangene, Erduldende ab. Zeitgemäßer wäre es, ein Agent zu sein.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 01 Aug 2023 11:41 #523504

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... nämlich dass bei zentrum- oder praxengestützten Dialysen durch Sport während dieser die Kosten von derzeit 800 €/Dia./Pat. signifikant gesenkt werden können.
Die behaupten zwar eine Kostensenkung, aber richtig erklärt wird das dort nicht.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 01 Aug 2023 13:24 #523505

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@FarmerFiver
Ich habe als Grundlage die Sendung "Sprechstunde" im DLF genommen, wo der Studienleiter, Prof. Dr. Martin Halle, die Studienergebnisse darstellte. Er bezieht sich auf Dialysen in Krankenhäusern.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 01 Aug 2023 13:44 #523506

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Hier noch die MAU-PD Studie
Den Abschlussbericht habe ich nicht gefunden.

"Die Soziologen haben nur verschiedene Teile der Welt beschrieben, es kömmt drauf an sie zu verändern" - Karolo Max oder so ähnlich

Laut dem Flyer haben 19% der Patienten angegeben, sie hätten über das Dialyseverfahren entschieden, 31% der Arzt hätte entschieden und 46% sie hätten gemeinsam entschieden. Günstigstenfalls heißt das, dass 19% den Eindruck hatten, sie hätten entschieden, etwa weil der Arzt sie gefragt hat. Entsprechend bei denen, die gemeinsam entschieden haben. Rechtlich ist ganz klar geregelt, dass der Arzt entscheidet. Das fällt aber natürlich nicht auf, wenn der Patient zufällig dasselbe will, wie der Arzt. So betrachtet sind die Zahlen schrecklich: 31% ist bewusst, dass über sie entschieden wird. Beim Rest weiß man nicht, wieviele es einfach nur noch nicht gemerkt haben, dass das so ist.

Ich bin dafür, das zu ändern. Das ist doch das Einfachste und Naheliegenste. Warum soll nicht, soweit es keine medizinischen Ausschlussgründe gibt, der Patient über die Angelegenheiten des Patienten entscheiden?

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 01 Aug 2023 14:51 #523507

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 01 Aug 2023 15:46 #523508

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innovationsfonds.g-ba.de/downloads/besch..._Ergebnisbericht.pdf
Nächster Versuch mit Link.
Danke.
Mir ist nicht klar, nach was da gematched wurde, was insofern relevant ist, als ein Unterschied in der Überlebensrate nach dem Matching verschwindet. Aber das nur am Rande.

Wenn der Patient von der Existenz anderer Verfahren überhaupt nichts erfährt, schränkt das natürlich seine Wahlfreiheit auch ein. Aber wie gesagt, die Petition beabsichtigt nicht jedes Problem zu lösen. Nach Aussagen der Ärzte scheint es da aber nur ein geringes Defizit zu geben. Aufklären tun anscheinend alle und

"Fast alle Nephrologen (93,6 %) geben an, dass die Patienten bei ihnen immer die Möglichkeit hätten, sich vor der Entscheidung die Dialyseverfahren anzusehen (HD und PD: 80,8 %, immer HD: 12,8 %)."

Ich habe in der Studie keine Daten dazu gefunden, wann Ärzte die Behandlung aus "personalen, sozialen oder organisatorischen Gründen" für nicht möglich halten. Abgesehen davon geht es in der Petition um jede Form der Heimdialyse, nicht nur PD.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 02 Aug 2023 09:14 #523513

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@Antonio
Moinsen,
eine gute Erreichbarkeit hat auch diese Plattform www.campact.de/campact/ueber-campact/petitionsplattform-weact/
Ich hatte ja die TuMue Studie aufgezeigt. Ich frage mich, ob das Ergebnis der Kostendämpfung nicht durch die dann hinzukommenden Kosten der häuslichen Pflege, also grob durch steigende Pflegekosten wieder aufgefressen werden. Die hinzugewonnene Autonomie durch Heimdialyse reicht fürchte ich allein da nicht aus, und die sonstigen Vorteile einer Krankenversorgung im häuslichen Umfeld tragen bei der Dialyse ja nicht so.
Ich glaube nicht, dass sich das Recht durchsetzen lassen wird.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 03 Aug 2023 08:29 #523521

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www.ra-kotz.de/heimdialysebehandlung.htm
Nomen non Omen est.
Zumindest was den Namen dieses Juristen angeht.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 03 Aug 2023 08:38 #523522

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eine gute Erreichbarkeit hat auch diese Plattform www.campact.de/campact/ueber-campact/petitionsplattform-weact/
epetitionen ist die offizielle Seite des Bundestags. Das sind die Leute, die man im Prinzip abwählen kann, wenn man mit ihrer Arbeit nicht zufrieden ist.

Ich glaube nicht, dass sich das Recht durchsetzen lassen wird.
Wenn die Lage verzweifelt ist, versucht man alles, was funktionieren könnte, wenn man keine besseren Möglichkeiten hat.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 03 Aug 2023 08:56 #523523

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www.ra-kotz.de/heimdialysebehandlung.htm
Danke für den Link. Ich halte das Urteil nicht einmal für so schlecht. Privat Versicherte entscheiden nun einmal selbst, was sie in welchem Umfang absichern wollen. Das ist gerade der Punkt bei einer privaten Versicherung.

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Petition für ein Recht auf Heimdialyse 03 Aug 2023 10:00 #523526

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@FarmerFiver
Es bestätigt v. a. D. die Ergebnisse der Studie, wobei allerdings die Motivation zur Studie wohl eher die Bestätigung des Urteils war, die Kosten betreffend. Damit fällt nämlich auch meine Befürchtung, die kolateralen Kosten neben der eigentlichen Dialyse fräßen den Heimbenefit wieder auf.

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Hi :)

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