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III.Fachtagung des ASD e.V. Arbeitsgemeinschaft Sozialarbeit in der Dialyse

Professionalisierung von Sozialarbeit - eine offene Entwicklung
  Die generalistische Entwicklung Sozialer Arbeit
  Sozialarbeit in ihrem Verhältnis zu Therapie
  Alltags- und lebensweltorientierte Sozialarbeit
  Betriebswirtschaftliche Fundierung
  Sozialarbeit im Management der Unterstützung
  Der spezifische Versorgungsauftrag im Gesundheitswesen
  Sozialarbeit und Selbsthilfe: zivile Kompetenz
Lebensqualität in der urologischen Onkologie
  Überblick über Lebensqualtitätsmeßinstrumente
  Aktuelle Studien zur Beurteilung von Lebensqualität in der urologischen Onkologie
  Zusammenfassung und Ausblick
 
Aspekte der schulischen und beruflichen Rehabilitation nierenkranker Kinder und Jugendlicher
   
Sozialrechtliche Situation ausländischer Dialysepatienten
  Ausländische Urlauber/Grenzgänger
  Immigranten
  Asylbewerber
  Zusammenfassung
Kurzpflegeeinrichtungen für Dialysepatienten
  Vorteile einer Dialyse-Kurzzeitpflege
Bewältigung von Krisen
  Wie läßt sich Krisen vorbeugen?-- Lösungsansätze --Zusammenfassung der Diskussion
 

 

 3. Fachtagung des ASD e.V.

Überblick über Lebensqualtitätsmeßinstrumente

Der Überblick über Meßinstrumente, die zur Erfassung der Lebensqualität im onkologischen Bereich eingesetzt wurden, erbringt eine große Zahl von Instrumenten, die auf recht unterschiedlichen Auffassungen des Begriffes, unterschiedlichen theoretischen Grundlagen aber auch sehr unterschiedlichen testmethodischen Standards beruhen (15, 44). Große Unterschiede in Operationalisierung und Konzeptualisierung führen in sehr unterschiedliche Art und Weise zur Einbeziehung bzw. Ausschluß verschiedener Lebens- und Funktionsbereiche sowie objektiver und subjektiver Kriterien. Die Systematik der LQ-Instrumente umfaßt Globalmaße, Funktionsindizes und multidimensionale Instrumente (Tabelle 1).

Globalmaße umfassen entweder eine einzige Skala der Lebensqualität oder werden aus der Aggregierung verschiedener Teilbereich gewonnen. Probleme dieser Globalmaße werden vor allem darin gesehen, daß vom Patienten oder Untersucher eine Integration sehr unterschiedlicher Einschätzungen und Bereiche gefordert wird und daß ein aus so heterogenen Elementen bestehender Globalscore als testtheoretisch problematisch gesehen werden muß.

Funktionsindizes erfreuen sich großer Beliebtheit, vor allem der wohl am weitesten verwendete Karnofsky-Index (in verkürzter Form WHO-Index) (53), der eine globale Funktionseinschätzung vor einen bestimmten Patienten leisten soll. Ein Problem für den Untersucher und Einschätzer besteht vor allem darin, daß verschiedene Kriterien im Bereiche der Lebensqualität in ein Gesamturteil integriert werden müssen.

Unter den mehrdimensionalen Instrumentarien sind sowohl Selbst- als auch Fremdeinschätzungen zu finden. Der Spitzer-Index wird in der Regel als Fremdeinschätzungsinstrument gegeben und umfaßt einfache dreistufige Einschätzungen der 5 Bereiche (Aktivität/Berufstätigkeit, Alltagsleben, Gesundheit, Sozialkontakte/Unterstützung und emotionales Befinden (50).

Zum Verständnisses des Konzeptes eines mehrdimensionalen Lebensqualitätsmeßinstrumentes sei hier kurz auf das von Küchler entwickelte Lebensqualitätsmodel der Konzeptialisierung von Lebensqualität hingewiesen (11, 34, 35, 36). Lebensqualität hat eine somatische, eine psychische, eine interpersonelle, eine sozio-ökonomische und eine spirituelle Dimension. Diese Dimensionen sind im Erleben konditional miteinander verbunden. Es ist weiterhin verständlich, daß Lebensqualität in der Zeitdimension zu sehen ist. Die aktuelle Lebensqualität in der Gegenwart bestimmt sich durch die Gesamtheit der persönlichen Erfahrung und letztlich der Lebensgeschichte. Die Unterscheidung in nahe und ferne Zukunft ist allein deshalb schon wichtig, weil sie bei der Therapieindikation und der entsprechenden Aufklärung des Patienten eine wichtige Rolle spielt. Bei fehlender kurativer Therapiemöglichkeit steht die Palliation der akuten und/oder kurzfristig zu erwartenden Symptome im Vordergrund. Ist hingegen langfristig eine echte Heilungschance gegeben, so sind die Patienten - die Transplantationsmedizin hat diesen Punkt sehr deutlich gemacht - natürlich bereit kurzfristig erhebliche Einbußen ihrer Lebensqualität hinzunehmen. Schließlich ist Lebensqualität natürlich nicht nur vom Individuum abhängig, sondern auch von der Familie und der sozialen Gruppe, in der dieser Mensch lebt, schließlich natürlich auch von kulturellen und politischen Bedingungen. Es ist ferner unerläßlich den betroffenen Patienten selbst so weit wie möglich in die Bestimmung seiner Lebensqualität miteinzubeziehen, also unter Erhebungsgesichtspunkten - der Fremdbeurteilung durch Ärzte - die Selbstbeurteilung durch den Betroffenen deutlich vorzuziehen.

Zur Beurteilung des mehrdimensionalen Ansatzes bzw. zur Meßbarkeit des mehrdimensionalen Ansatzes von Lebensqualität sind in den letzten Jahren einige Meßinstrumente in Europa und in den USA entwickelt worden (1, 2). 1990 hat das MCI für die USA festgelegt, daß bei Interventionsstudien in der Onkologie die Erhebung von Lebensqualität datenverbindlich ist, das heißt Protokolle ohne Quality of Life Assessment werden nicht mehr akzeptiert. Ebenfalls 1990 fand in Deutschland die erste Konsensuskonferenz zur Messung von Lebensqualität in onkologischen Studien statt, in der ebenfalls Kriterien zur Messung von Lebensqualität festgelegt wurden (48). Voraussetzung jedoch für die Realisierung solcher Aufgaben ist die Entwicklung von zuverlässigen Meßinstrumenten.

Da hinsichtlich dieser Meßinstrumente recht diffuse Vorstellungen bestehen, möchte ich die Entwicklung eines Instrumentes vorstellen, wobei die Darstellung des EORTC-Lebensqualitätsfragebogens keine die Evaluierung anderer vorhandener Instrumente bedeutet. Einen Eindruck von der zeitlichen Dimension einer solchen Entwicklung zu gibt die Tabelle 2 in Form eines kurzen historischen Überblickes wieder. 1982 wurde die Study Group Quality of Life durch die EORTC initiiert. In der Folge wurden die weltweit vorhandenen Instrumente gesichtet und als nicht ausreichend, entweder konzeptionell oder in Bezug auf ihre Meßgüte verworfen. Es wurde im folgenden ein eigenes Instrument konzipiert (Tabelle 3). Aus der konzeptionellen Diskussion ergab sich für die EORTC folgendes Vorgehen: es wurde ein Core-Questionaire mit diagnoseübergreifender Gültigkeit entwickelt, dem dann ein diagnose- und/oder behandlungsspezifisches Modul beigefügt wurde. Der von der EORTC geforderte multikulturelle Aspekt machte ein rigoroses Übersetzungsvorgehen notwendig. Es wurde im "Forward-backward-Verfahren" zumindest die englische Originalversion in die jeweilige Sprache übersetzt, dann von einem zweiten, unabhängigen Übersetzer zurückübersetzt. Dieses Verfahren wurde so oft wiederholt, bis beide Versionen wortinhaltlich übereinstimmten. Derzeit liegt der EORTC QLQ C-30 in 15 verschiedene Sprachen vor. Die einzelnen Skalierungen und Items dieses Core-Questionairs sind in Tabelle 4 aufgeführt. Bezüglich der psychometrischen Meßeingenschaften kann von einer ausreichenden bis guten Reabialität und Validität dieses Instrumentes gesprochen werden. Wie bereits erwähnt, schließt sich dem sogenannten Core-Questionaire ein Diagnose- bzw. behandlungsspezifisches Modul an. Im Bereich der Uro-Onkologie sind derzeit keine offiziellen Instrumente oder spezifischen Module erhältlich. Da ich als Mitglied der EORTC Study Group on Quality of Life spreche, so ist in naher Zukunft mit der Entwicklung von blasen- und tumorspezifischen Modulen zu rechnen. In der eigenen Arbeitsgruppe sind wir dabei nach den Richtlinien der EORTC Study Group on Quality of Life jeweils ein Modul für die radikale Prostatektomie, für die Strahlentherapie beim Prostatakarzinom sowie für die radikale Zystektomie in Abhängigkeit von verschiedenen Harnableitungen zu erstellen (Tabelle 5). Wie in dieser Tabelle ersichtlich, gibt es festgeschriebene Richtlinien zur Modulentwicklung innerhalb der EORT Study Group on Quality of Life. Diese Richtlinien lassen erkennen, daß es sich bei einem solchen Entwicklungsprozeß um eine Zeitdauer von mindestens 1 bis 2 Jahren handelt (5, 6, 9, 10, 36, 51).

Derzeitig existieren konkrete Bestimmungen der EORTC für die Anwendung des EORTC QLQ C-30. Folgende Grundregeln in der Anwendung sind unbedingt zu beachten:

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