| Lebensqualität
in der urologischen Onkologie
C.W. Biermann
Klinik und Poliklinik für Urologie der
Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
ab 14.1.1998 Urologische Universitätsklinik Herne
Einführung
Das große Interesse am Thema "Lebensqualität" muß wohl
wesentlich darauf zurückzuführen sein, daß eine ausschließliche
Berücksichtigung von Überlebenszeiten und Symptomraten
zunehmend als unzureichend befunden wird und eine grundsätzliche
Diskussion über angemessene Beurteilungskriterien für
medizinische Maßnahmen eingesetzt hat.
Medizinische-therapeutische Interventionen
verfolgen das Ziel, krankheitsbedingte Verluste zu begrenzen
und gleichzeitig sicherzustellen, daß der Nutzen der
Behandlung die vermeintliche Beeinträchtigung aufwiegt.
Diese allgemeine ärztliche Regel auch im Zeichen des
medizinischen Fortschrittes zu realisieren ist Aufgabe
einer kontinuierlichen Qualitätskontrolle, die eine Kosten-Nutzen-optimierte
Therapie an ihrem Ergebnis mißt. Als Sammelbegriff für
eine Reihe von wichtigen Gütekriterien von Behandlungsresultaten
hat sich der Terminus Lebensqualität im Rahmen qualitätssichernder
Maßnahmen eingebürgert. Betrachtet man einmal die 3 Kategorien
von Qualität nach Donabedian (Struktur, Prozeß und Ergebnisqualität)
so beschreibt die Ergebnisqualität die dem medizinischen
Handeln zuschreibbare Veränderung des Gesundheitszustandes
des Patienten bzw. der Bevölkerungsgruppen einschließlich
der von diesen Veränderungen ausgehenden Wirkung. Die
Ergebnisqualität ist sehr viel schwieriger zu messen
als die Struktur- und Prozeßqualität. Zum einen wegen
der Vielzahl an Komplexität das Ergebnis beeinflussenden
Variablen, zum zweiten wegen einer unvorhersehbaren medizinischen,
psychischen und sozialen Reaktion des Patienten. Zur
Ergebnisqualität oder auch Outcome und Output genannt,
würde man die Lebensdauer, die Patientenzufriedenheit
und die Lebensqualität zählen (8, 11, 19, 48, 49).
Aufgrund dieses Stellenwertes der Lebensqualitätsforschung
im modernen Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen und
der damit verbundenen Popularität dieses Begriffes und
dessen inflationärer Gebrauch erfordert es immer wieder, über
seine Inhalte nachzudenken. Inflation bedeutet Entwertung;
deshalb ist die Erhaltung der Substanz des Konzeptes "Lebensqualität" Bedingung
für die Fruchtbarkeit in der klinischen Anwendung, nicht
nur in der urologischen Onkologie, sondern auch im Bereich
der Transplantationschirurgie und im Bereich der chronischen
Erkrankungen. Eine Konkretisierung und letztlich auch
eine Umsetzung in wissenschaftliche Meßoperationen dieses
aus der politischen Rhetorik nun auch in die Umgangssprache übernommenen
Allerweltsbegriffes Lebensqualität, hat nun in den letzten
Jahren begonnen.
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