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III.Fachtagung des ASD e.V. Arbeitsgemeinschaft Sozialarbeit in der Dialyse

Professionalisierung von Sozialarbeit - eine offene Entwicklung
  Die generalistische Entwicklung Sozialer Arbeit
  Sozialarbeit in ihrem Verhältnis zu Therapie
  Alltags- und lebensweltorientierte Sozialarbeit
  Betriebswirtschaftliche Fundierung
  Sozialarbeit im Management der Unterstützung
  Der spezifische Versorgungsauftrag im Gesundheitswesen
  Sozialarbeit und Selbsthilfe: zivile Kompetenz
Lebensqualität in der urologischen Onkologie
  Überblick über Lebensqualtitätsmeßinstrumente
  Aktuelle Studien zur Beurteilung von Lebensqualität in der urologischen Onkologie
  Zusammenfassung und Ausblick
 
Aspekte der schulischen und beruflichen Rehabilitation nierenkranker Kinder und Jugendlicher
   
Sozialrechtliche Situation ausländischer Dialysepatienten
  Ausländische Urlauber/Grenzgänger
  Immigranten
  Asylbewerber
  Zusammenfassung
Kurzpflegeeinrichtungen für Dialysepatienten
  Vorteile einer Dialyse-Kurzzeitpflege
Bewältigung von Krisen
  Wie läßt sich Krisen vorbeugen?-- Lösungsansätze --Zusammenfassung der Diskussion
 

 

 3. Fachtagung des ASD e.V.
Alltags- und lebensweltorientierte Sozialarbeit

Daß sich die Profession besser auf den Alltag und die gewöhnliche Lebenswelt ihrer Klientel denn auf ihre therapeutische Behandlung beziehen sollte, hat Hans Thiersch bereits in den Zeiten des Therapie-Booms ausgeführt: "Sozialarbeit kann als Handeln im Alltag nicht ersetzt oder überformt werden durch Therapien, die, indem sie ihre Probleme spezifisch strukturieren und ihre Verfahren dementsprechend organisieren, immer auch jenseits des Alltags agieren" (Thiersch 1978, 6). Mit Sozialer Arbeit solle ein gelungener Alltag ermöglicht werden. Thiersch hat sein Konzept der Alltags- und Lebensweltorientierung insbesondere für die Jugendhilfe erläutert: Sie solle sich auf die Vielfältigkeit und Komplexität gegebener Lebenserfahrungen und Lebensprobleme beziehen, kompensatorisch wirken, um gegebene Ungleichheiten, Schwächen, Benachteiligungen zu beheben und zur Bewältigung von Belastungen beizutragen. (Thiersch 1992, 28 ff.)

Unter Lebenswelt ist nicht einfach die natürliche Umwelt von Menschen zu verstehen. Sie ist vielmehr ein Horizont der Selbstverständlichkeiten, von denen Menschen ausgehen und in denen sie sich bewegen. Die Lebenswelt ist kulturell bestimmt und sozial: in der Familie, am Arbeitsplatz und in anderen Lebensfeldern und durch Zeitgenossenschaft. Begeben sich "Außenstehende" in einen solchen Horizont, treten sie in einen Verständigungsprozeß ein, ohne dabei ihren eigenen Erfahrungshintergrund aufzugeben. Der Professionelle im sozialen Beruf zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, diese Verständigung einzuleiten, zu strukturieren und zu unterhalten und dabei zielwirksam voranzukommen.

Soziale Arbeit leistet Hilfe zur Lebensbewältigung. Dabei orientiert sie sich am Alltag der Menschen und begibt sich in den Horizont ihres Denkens und Handelns. Alltäglichkeit versteht Thiersch als einen Handlungsmodus in den konkreten Konstellationen der Familie, der Schule, der Arbeitswelt und Freizeit. Dabei hält sich der professionell Handelnde an die Erfahrungen der Leute in ihren alltäglichen Bezügen und verbindet sie mit seinen Wahrnehmungen der Zustände, in denen gelebt wird und in denen die praktischen Aufgaben sich stellen.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die berufliche Sozialarbeit in vielen Beratungsdiensten und Therapieeinrichtungen in eine "Aschenputtel"-Rolle gedrängt worden: Psychologen, Lehrer, Psychiater nahmen sich in ihren fachlichen Bezügen der Klientel an und überließen die weniger geschätzte Vor- und Nacharbeit sowie die "therapieresistenten" oder sonstwie verqueren Fälle gerne den Sozialarbeitern. Diese waren daran nicht unschuldig, glaubten sie doch ihrerseits an eine herausgehobene Kompetenz der Spezialisten. Die Alltags- und Lebensfeldorientierung stellt auch einen Versuch dar, aus der Not der Zuständigkeit eine Tugend zu machen: Soziale Arbeit zeichnet sich dadurch aus, daß sie die dürftige Situation von Menschen ganzheitlich wahrnimmt und in der Komplexität der jeweiligen Lage für Abhilfe sorgt.

Alltagsbegleitung heißt, sich mit der Lebenslage (d.i. ein Komplex aus der Biographie, den Lebensentwürfen, der inneren Verfassung und den äußeren Umständen) und Lebensweise eines Menschen oder einer Familie vertraut machen und konkrete Hilfe in dieser Situation zu leisten. Um was man sich dabei kümmert, wird mit den Betroffenen abgesprochen. Unprofessionell ist es allerdings, wenn dabei das Versorgungssystem und eine systematische Erschließung informeller und formeller Ressourcen (in einem Netzwerk der Unterstützung) unterbleiben. Die Alltagsbegleitung kann in dieser Beschränkung von freiwilligen Mitarbeitern und von Angehörigen verschiedener Berufe übernommen werden (vgl. Schroeder/Storz 1994). Wir sehen: hier verschwindet leicht jede Spezifität Sozialer Arbeit.

Umgekehrt wahrt sie ihre Kompetenz mit einer fundierten ökologischen Rundumorientierung - im Mikro-, Meso- und Makrosystem gesellschaftlicher Lebensgestaltung und im individuellen und familiären Haushalt der Lebensführung. Hier kann auf den ökologischen Verständnis- und Handlungsansatz verwiesen werden, den in einer Form Carel Germain und Alex Gitterman (1983) und den ich in einer anderen Form entwickelt habe (Wendt 1982).

 


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