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III.Fachtagung des ASD e.V. Arbeitsgemeinschaft Sozialarbeit in der Dialyse

Professionalisierung von Sozialarbeit - eine offene Entwicklung
  Die generalistische Entwicklung Sozialer Arbeit
  Sozialarbeit in ihrem Verhältnis zu Therapie
  Alltags- und lebensweltorientierte Sozialarbeit
  Betriebswirtschaftliche Fundierung
  Sozialarbeit im Management der Unterstützung
  Der spezifische Versorgungsauftrag im Gesundheitswesen
  Sozialarbeit und Selbsthilfe: zivile Kompetenz
Lebensqualität in der urologischen Onkologie
  Überblick über Lebensqualtitätsmeßinstrumente
  Aktuelle Studien zur Beurteilung von Lebensqualität in der urologischen Onkologie
  Zusammenfassung und Ausblick
 
Aspekte der schulischen und beruflichen Rehabilitation nierenkranker Kinder und Jugendlicher
   
Sozialrechtliche Situation ausländischer Dialysepatienten
  Ausländische Urlauber/Grenzgänger
  Immigranten
  Asylbewerber
  Zusammenfassung
Kurzpflegeeinrichtungen für Dialysepatienten
  Vorteile einer Dialyse-Kurzzeitpflege
Bewältigung von Krisen
  Wie läßt sich Krisen vorbeugen?-- Lösungsansätze --Zusammenfassung der Diskussion
 

 

 3. Fachtagung des ASD e.V.

Sozialarbeit in ihrem Verhältnis zu Therapie

Im gewöhnlichen Fremdverständnis sind die diplomierten Sozialarbeiter jedoch weiterhin "Fürsorger" oder "Sozialhelfer". In ihrem Selbstverständnis erschien ihnen lange die Stellung eines "Sozial-" oder "Soziotherapeuten" erstrebenswert, wenn schon nicht die eines Psychotherapeuten. Der "Psychoboom" zwischen 1975 und 1985 erfaßte einen großen Teil der Sozialarbeiterschaft. Erinnert sei auch an die (gescheiterten) Bemühungen, Sozialarbeiter in das Psychotherapeutengesetz einzubeziehen. Wer eine Therapie leistet, ist ein "Heiler" und abgehoben von der Misere der Alltagsarbeit, in der nichts heil und fertig wird. In Kauf genommen wird dabei eine Pathologisierung der Klientel.

Die Tendenz zur Therapeutisierung Sozialer Arbeit ergab sich aus ihrer dienstlichen Konzentration auf Einzelhilfe. Der Professionelle baut zu seinem Gegenüber eine "helfende Beziehung" auf und legt in diese Beziehung seine ganze Befähigung. Sozialarbeit erscheint als Beziehungsarbeit, und die methodischen Regeln für sie sind zugleich die therapeutischen, ob nun psychoanalytisch nach Freud oder non-direktiv und klient-zentriert nach Carl Rogers oder themenzentriert nach Ruth Cohn oder gestalttherapeutisch usw. Aus dem Beziehungsgeschehen ausgeklammert werden so profane Dinge wie die Klärung rechtlicher Positionen und wirtschaftliche Fragen. Die überläßt der therapeutisch orientierte Sozialarbeiter gerne "der Verwaltung". Er möchte sich auf die psychosoziale Problematik konzentrieren.

Fallen die berufliche Intervention, die Beziehungsaufnahme und die Behandlung nicht zusammen, meint mancher Sozialarbeiter seinem professionellen Anspruch nicht gerecht werden zu können. So im Gesundheitswesen, wo Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vor allem komplementär-beratende Funktionen übernehmen. Am Behandlungsprozeß sind sie nur am Rande beteiligt, nämlich bei Prozeduren der Aufnahme, der Entlassung, der Überleitung und Weitervermittlung. Sie können sich ihre Klienten selten auswählen und bestimmen nicht über die Dauer und den Umfang ihrer Arbeit mit dem einzelnen Klienten. Darüber wird in den Sozialdiensten der Krankenhäuser, der Psychiatrie und der Gesundheitsämter geklagt. Die Mitarbeiter suchen nach Auswegen. In der Vergangenheit häufig, indem man "aus dem Feld geht", sich spezialisiert oder etwas anderes macht.

Wer nicht Therapeut werden kann, wird Supervisor und übernimmt dann die Behandlung der Berufskollegen, die in ihrem Arbeitsalltag und mit ihrer Rolle in Schwierigkeiten geraten. Eine so verstandene Supervision legt Wert darauf, vom direkten Dienst abgehoben zu sein. Man hat eine Zusatzausbildung gemacht und betrachtet Supervision als einen eigenständigen Beruf.

Ein anderer Weg wird gegangen, wenn die Profession sich offensiv selbst legitimiert: Was ist ihr gesundheitsbezogenes Produkt, und wie stellt sie es her ? Sozialarbeit arbeitet mit Menschen an deren Lebenssituation und Lebensführung. Sie unterstützt, aktiviert und bestärkt Einzelne und Gruppen darin, in ihrer Lage zurechtzukommen und Probleme zu bewältigen. In Hinblick auf das System der gesundheitlichen Versorgung dürfte es angebracht sein zu betonen, daß diese Bewältigung nicht in stationären Einrichtungen erfolgt, sondern prinzipiell selbständig, eigenverantwortlich und in dem "Setting", in das die Umstände und das Schicksal einen Menschen und seine Angehörigen gestellt haben.

In gesundheitlichen Belangen ausbauen sollte die berufliche Sozialarbeit mithin ihre soziosomatische Kompetenz. Was ist damit gemeint ? Die Steuerung des Gesundheits- und Krankheitsgeschehens erfolgt in der ganzen persönlichen und sozialen Lebensweise und Lebensführung. Auf der Mikroebene eines Menschen in Wechselbeziehung von äußerer Steuerung und innerer (psychoneuroimmunologischer) Steuerung, von äußerer Disposition und internem Disponiertsein. Sozialarbeiter sollten sich mit diesen Regulationsvorgängen auskennen und auf sie Faktoren der sozialen Lage und des - gesundheitsschädlichen und/oder gesundheitsförderlichen Verhaltens von Personen in ihrem Alltag beziehen.

 


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