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III.Fachtagung des ASD e.V. Arbeitsgemeinschaft Sozialarbeit in der Dialyse

Professionalisierung von Sozialarbeit - eine offene Entwicklung
  Die generalistische Entwicklung Sozialer Arbeit
  Sozialarbeit in ihrem Verhältnis zu Therapie
  Alltags- und lebensweltorientierte Sozialarbeit
  Betriebswirtschaftliche Fundierung
  Sozialarbeit im Management der Unterstützung
  Der spezifische Versorgungsauftrag im Gesundheitswesen
  Sozialarbeit und Selbsthilfe: zivile Kompetenz
Lebensqualität in der urologischen Onkologie
  Überblick über Lebensqualtitätsmeßinstrumente
  Aktuelle Studien zur Beurteilung von Lebensqualität in der urologischen Onkologie
  Zusammenfassung und Ausblick
 
Aspekte der schulischen und beruflichen Rehabilitation nierenkranker Kinder und Jugendlicher
   
Sozialrechtliche Situation ausländischer Dialysepatienten
  Ausländische Urlauber/Grenzgänger
  Immigranten
  Asylbewerber
  Zusammenfassung
Kurzpflegeeinrichtungen für Dialysepatienten
  Vorteile einer Dialyse-Kurzzeitpflege
Bewältigung von Krisen
  Wie läßt sich Krisen vorbeugen?-- Lösungsansätze --Zusammenfassung der Diskussion
 

 

 3. Fachtagung des ASD e.V.
Die generalistische Entwicklung Sozialer Arbeit

Historisch hat sich die berufliche Sozialarbeit aus der organisierten Wohltätigkeit bürgerlicher Frauen in Verbindung mit sozialen Reformvorhaben entwickelt. Das Engagement von Bürgern ist der Entfaltung der Berufstätigkeit vorangegangen. In diesem Engagement ist auch die alte Armenfürsorge durch soziale Arbeit überwunden und ersetzt worden. Die Professionalisierung wurde vor hundert Jahren in den USA bewußt in Angriff genommen, indem zuerst eine universitäre Ausbildung begonnen wurde, dann die Entwicklung einer eigenständigen Methodik vorangetrieben und für eine berufstätige Interessenvertretung gesorgt wurde (vgl. Wendt 1995 b, 242 ff.). Bei der Ausarbeitung der Methode Casework war bereits das Problem akut, eine vielfältige praktische Arbeit auf einen professionellen Nenner zu bringen. Als Mary Richmond ihr Buch "Social Diagnosis" schrieb (das bekanntlich 1917 erschien und das erste für den ganzen Beruf verbindliche Lehrwerk war), trat sie damit vor allem für ein einheitliches berufliches Vorgehen ihrer Kolleginnen und Kollegen ein. Sie mußte berücksichtigen, daß es von Anfang an verschiedene Einsatzgebiete Sozialer Arbeit gegeben hat. Es gab die wissenschaftliche Wohltätigkeit in den britischen und amerikanischen Charity Organisation Societies und das gemeinwesenbezogene Settlement Work, die frühe Spezialisierung von Krankenhaussozialdienst, Schulsozialarbeit, psychiatrischer Sozialarbeit und Bewährungshilfe. In Deutschland (wo die in der Sozialarbeit engagierten Frauen international orientiert waren und Mary Richmond früh rezipierten) kamen dann die Jugendämter, die Wohlfahrtsämter und die Gesundheitsämter mit ihren jeweiligen fürsorgerischen und pflegerischen Aufgaben, später die Differenzierung in den Allgemeinen Sozialdienst und viele besondere Sozialdienste hinzu.

Die wohlfahrtsstaatliche Entwicklung von 1920 bis 1980 hat der sozialen Profession Plätze zugewiesen und Stellen geschaffen. Die Berufstätigen richteten sich in ihnen ein. Im Laufe der Zeit vergaßen sie in ihrem Selbstverständnis, wie sehr sie von der Sozialpolitik und von der Institutionalisierung des Wohlfahrtsstaates abhängig blieben. Die gewichtige Frage "social work: cause or function", die sich die amerikanische Sozialarbeit in ihrer nationalen Konferenz 1929 stellte, wurde mit funktionaler Differenzierung entschieden, wobei man zuweilen die Überzeugung vertrat, in eben dieser Funktionalität auch die Dinge bewegen und mit Sozialarbeit eine andere Gesellschaft schaffen zu können. Um 1980, spätestens 1989, war die berufliche Sozialarbeit diese Illusion los.

Manche setzen nun den Prozeß der Professionalisierung mit fortschreitender Spezialisierung gleich. Etwa so: Sozialarbeit ist zunächst etwas Unbestimmtes; sie beweist ihre Professionalität, indem sie sich in bestimmten Beratungs-, Behandlungs- und Betreuungsbereichen kundig macht. Sie wird demnach professionell z.B. in der Suchtkrankenhilfe, in der Schuldnerberatung, in der Familientherapie, in der Mediation, der Behindertenpädagogik oder sozialpsychiatrischer Betreuung. - Andere Berufsvertreter sind genau der entgegengesetzten Meinung, daß nämlich die Profession sich in ihrer generellen Orientierung auf die Besserung sozialer Lebensverhältnisse, auf Wohlfahrt und mehr Gerechtigkeit ausweist. Beispielsweise versteht Silvia Staub-Bernasconi die Soziale Arbeit als "Menschenrechtsprofession" (Staub-Bernasconi 1995, 57 ff.). Sie sollte sich angesichts globaler Probleme wie Armut, Migration, Arbeitslosigkeit, Drogen, Aids, Sexismus und Rassismus nicht mit einzelnen Dienstleistungen bescheiden, sondern ihrem selbstdefinierten Auftrag folgen, allen Menschen gemeinsamen Bedürfnissen (und aus ihnen abzuleitenden Rechten und Pflichten) im beruflichen Alltag gerecht zu werden.

Welche Ideale auch immer die Berufsangehörigen im Kopf haben, in der Praxis übernehmen sie Funktionen, die nicht von ihnen definiert werden, sondern über die politisch entschieden wird, sozialpolitisch, gesundheitspolitisch, kommunalpolitisch, trägerspezifisch. Heute wird international auf die Gefahr der Fragmentierung Sozialer Arbeit hingewiesen. Die Aufsplitterung, die wohlfahrtsstaatlich begonnen hatte, setzt sich nun in der Marktorientierung und Privatisierung Sozialer Arbeit fort. Man tut jeweils das, was nachgefragt wird und etikettiert den Dienst auch entsprechend marktkonform. Läßt es dann auch gerne bleiben, überhaupt von Sozialer Arbeit zu sprechen. Die Kunden- und Nachfrageorientierung drängt soziale Absichten, die von den Abnehmern der Dienste nicht vorgebracht werden, an den Rand. Gefragt sind nicht die beruflichen Vorstellungen der Fachkräfte, sondern ihre konkreten Leistungen im einzelnen, möglichst abrechenbar. Die Profession läuft Gefahr, in ihrer steten Anpassung an Bedarfe verloren zu gehen. "This might even be a situation where social work returns to its fragmentary origins: a diversity of ways working with those in need in a variety of contexts." (Clarke 1996, 56) Zwischen Anbietern und Einkäufern wird ausgehandelt, was denn die Arbeit jeweils sein soll, die man haben will. Das Soziale ist das Ergebnis dieser Aushandlung ad hoc. In der Perspektive zumindest ist diese Entwicklung wahrzunehmen (vgl. Grimwood 1996, 291 ff.).

 


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