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III.Fachtagung des ASD e.V. Arbeitsgemeinschaft Sozialarbeit in der Dialyse

Professionalisierung von Sozialarbeit - eine offene Entwicklung
  Die generalistische Entwicklung Sozialer Arbeit
  Sozialarbeit in ihrem Verhältnis zu Therapie
  Alltags- und lebensweltorientierte Sozialarbeit
  Betriebswirtschaftliche Fundierung
  Sozialarbeit im Management der Unterstützung
  Der spezifische Versorgungsauftrag im Gesundheitswesen
  Sozialarbeit und Selbsthilfe: zivile Kompetenz
Lebensqualität in der urologischen Onkologie
  Überblick über Lebensqualtitätsmeßinstrumente
  Aktuelle Studien zur Beurteilung von Lebensqualität in der urologischen Onkologie
  Zusammenfassung und Ausblick
 
Aspekte der schulischen und beruflichen Rehabilitation nierenkranker Kinder und Jugendlicher
   
Sozialrechtliche Situation ausländischer Dialysepatienten
  Ausländische Urlauber/Grenzgänger
  Immigranten
  Asylbewerber
  Zusammenfassung
Kurzpflegeeinrichtungen für Dialysepatienten
  Vorteile einer Dialyse-Kurzzeitpflege
Bewältigung von Krisen
  Wie läßt sich Krisen vorbeugen?-- Lösungsansätze --Zusammenfassung der Diskussion
 

 

 3. Fachtagung des ASD e.V.

Professionalisierung von Sozialarbeit - eine offene Entwicklung

Prof. Dr. Wolf Rainer Wendt

 

Wenn wir Rehabilitation in der Arbeit sehr groß schreiben und sehr weit fassen, brauchen wir ihren sozialen Charakter nicht eigens betonen. Menschen wollen fähig sein, sich entwickeln können, anerkannt werden, mit sich und ihrer Umwelt auskommen. Sie schätzen es, wenn eine Berufstätigkeit dazu beiträgt, gleichgültig wie sie sich ansonsten verstehen mag. Darin haben wir bereits das Dilemma Sozialer Arbeit vor uns.

Im Gesundheitswesen von der Professionalisierung der Sozialarbeit reden, heißt heute fragen, ob und wie sie sich unter dem Reformdruck und in der Konkurrenz zu anderen Berufen behaupten kann. Das professionelle Selbstverständnis, ohnehin nicht fest ausgeprägt, wird von mehreren Seiten in Frage gestellt. Wirtschaftlich, indem der Nutzen von Sozialarbeit zweifelhaft erscheint (wenn gespart werden muß, warum nicht am Sozialdienst ?). Fachlich, da sich die professionelle Pflege in ihrem Aufgabenverständnis verbreitert. Sie greift fachlich von extern in den Besitzstand des Sozialarbeiterberufes ein. Was meinen wir heute und morgen, wenn wir (einheitlich) von "sozialpflegerischen Berufen" reden ? Und von intern wird das professionelle Selbstverständnis Sozialer Arbeit in Frage gestellt, wenn sich jedes Spezialgebiet in seiner Besonderheit darstellt und als "Beratung", Kinder- und Jugendhilfe, Erlebnispädagogik, Sozialtherapie, Bewährungshilfe usw. ihren Charakter als Soziale Arbeit immer weniger zu erkennen gibt. Methodisch ist das professionelle Handeln zudem problematisch geworden, da der berufliche Umgang mit dem Bürger, dessen Eigenverantwortung in seinen gesundheitlichen Belangen gestärkt werden soll, weniger fürsorgliches Handeln und mehr Kompetenz in der Kooperation und Koordination verlangt.

Unter diesen Vorzeichen will ich das mir gestellte Thema unter mehreren Gesichtspunkten betrachten:

Eine Profession ist ein Beruf, der sich durch die Bedeutsamkeit seines Wissens und Könnens auszeichnet. Dessen Niveau hebt eine Profession von anderen Berufstätigkeiten ab. Mit dem Anspruch, den die Profession vertritt, ist in erster Linie die soziale Bedeutsamkeit gemeint. Sie stellt sich allerdings im Selbstverständnis der Professionellen und im Fremdverständnis dieser Berufstätigkeit unterschiedlich dar. Diese Unterschiede nötigen zu einem beständigen Diskurs über die Identität beruflicher Sozialarbeit: sie muß sich ausweisen (vgl. Wendt 1995 a, 11 ff.). Dabei setzt sie sich mit populären und mit akademischen Sichtweisen auseinander. Sie kann sich zum Beispiel auf die "analytische Folie" beziehen, die Bernd Dewe u.a. (1993) mit drei Konzepten der Professionalisierung anbieten:

- der Sozialpädagoge und Sozialarbeiter als "professioneller Altruist",

- der Sozialarbeiter und Sozialpädagoge als "Sozialingenieur",

- der Sozialarbeiter und Sozialpädagoge als "stellvertretend Deutender", also in hermeneutischer Funktion. (Dewe u.a. 1993, 26 ff.)

In jeder dieser Hinsichten sollte er ein expertokratisches Mißverständnis vermeiden: Der Experte "weiß" wissenschaftlich, wie ein Problem gelöst wird. Der Laie kommt zu ihm und überträgt ihm die Problemlösung. In sozialen Belangen scheitert diese Expertokratie: der Altruist "brennt aus"; der Sozialingenieur paßt die Problematik eher seinen Methoden an als umgekehrt; der Hermeneut "erklärt" eine Situation, in der er sich nicht befindet und die mit seinen Erklärungen (allein) nicht bewältigt wird. Es sei denn, er agiert als Bürger mit Bürgern in Bearbeitung gemeinsamer Angelegenheiten.

 


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