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 II. Fachtagung des ASD e.V.

Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen - besondere Aspekte in der Sozialarbeit

Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement ist bereits seit langer Zeit Bestandteil der Wirtschaft, besonders im Bereich des produzierenden Gewerbes. Im Dienstleistungsbereich sind Qualitätssicherungsmaßnahmen und Qualitätsmanagement ebenso in der letzten Zeit etabliert, speziell der Gesundheitsbereich hängt dieser Entwicklung etwas nach, was sicherlich mit dem speziellen Charakter unseres Gesundheitswesens in der Bundesrepublik Deutschland zusammenhängt.

Allerdings hat nun Qualitätssicherung bzw. Qualitätssicherungsmaßnahmen Eingang auch in die Sozialgesetzgebung gefunden, so ist speziell für den Krankenhausbereich die Verankerung der Qualitätssicherung im § 137 SGB V festgelegt. Darin heißt es: Die Krankenhäuser sowie die Vorsorge unter Rehabilitationseinrichtungen sind verpflichtet sich an Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu beteiligen. Die Maßnahmen sind auf die Qualität der Behandlung, der Versorgungsabläufe und Behandlungsergebnisse zu erstrecken. Sie sind so zu gestalten, daß vergleichende Prüfungen möglich werden. Das Nähere wird in den Verträgen gem. § 112 SGB V und für Versorgungs- oder Rehabilitationseinrichtungen gem. § 111 SGB V geregelt.

Diese gesetzlichen Regelungen haben zur Einführung von Qualitätssicherungsmaßnahmen im Gesundheitswesen geführt. Schwerpunkt bei den Qualitätssicherungsmaßnahmen bilden die Qualitätssicherungsmaßnahmen im Pflegebereich. Des weiteren werden Qualitätssicherungsmaßnahmen in Form von Zertifizierungen meist bei privaten Leistungsanbietern durchgeführt. Diese Zertifizierungsmaßnahmen führen zu Zertifikaten von Zertifizierungsunternehmen, wie z.B. der DEKRA. Diese Zertifikate haben für das Unternehmen zwei wichtige Aspekte. Das eine ist die Außenwirkung, wenn die Zertifizierung erfolgreich durchgeführt wurde, kann dies öffentlich gemacht werden und stellt einen gewissen Qualitätsstandard gegenüber anderen Unternehmen dar. Der zweite - vermutlich wichtigere Aspekt - ist die Einführung eines Qualitäts-Managementsystems, welches interne Unternehmensstrukturen beleuchtet, darstellt und zu Qualitätsverbesserungen beitragen kann. Zusammengefaßt wird Qualitätsmanagement mit der Definition: Gesamtheit der Aktivitäten zur Sicherstellung und Verbesserung der Qualität von Leistungen.

Es gibt gemeinsame grundsätzliche Elemente von Qualitäts-Management-Konzepten, darunter fallen:

- Kundenorientierung

- Qualität als Führungsaufgabe

- Einbeziehung aller Mitarbeiter, aller Abteilungen

- Prozeßorientierung

- Präventivorientierung

- kontinuierliche Verbesserungsmaßnahmen

- Qualitäts-Management-System als langfristige und dauerhafte Aufgabe

- hoher Stellenwert von Schulung, Fort- und Weiterbildung.

Bei der Kundenorientierung geht es um die Ermittlung von Erwartung bzw. Bedürfnissen der Kunden, Feststellung welche Kunden gemeint sind, bis hin zu Kundenzufriedenheit. Dies bedeutet für den Krankenhausbereich, daß in erster Linie der Kunde der Patient ist. Zum anderen ist ebenso der Kostenträger als Kunde anzusehen. Dies bedeutet, daß der Patient von einem Behandlungserfolg ausgehen möchte, indem die durchgeführten Maßnahmen zur Sicherung des Behandlungserfolgs beitragen. Für die Kostenträger geht es um eine ausreichende Versorgung des Patienten unter möglichst kostengünstigen Gesichtspunkten. Bei dieser doppelten Kundenorientierung im Krankenhausbereich kann es aus meiner Sicht zu widersprüchlichen Erwartungen führen. Der Patient möchte möglichst optimal behandelt werden, ebenso möchte der Arzt eine optimale Behandlung durchführen, er möchte sich nach allen Seiten absichern, daß er nichts übersieht, somit Fehler vermeiden, was unter Umständen zu einem erheblichen Aufwand führen kann. Somit sind bei der Kundenorientierung Regelungen festzulegen bzw. Verfahrensrichtlinien festzulegen, welche Bedürfnisse und Erwartungen gegeneinander abwägen und zu einer möglichst großen Effizienz beitragen können.

Qualität als Führungsaufgabe bedeutet, daß die Klinikleitungen oder das Unternehmen Qualitäts-Management-Systeme durchsetzen wollen, die Rahmenbedingungen herbeiführen in Form von mehr Bereitstellung von Ressourcen, die Überprüfung der Wirksamkeit des Qualitäts-Management-Systems.

Weiterhin ist die Einbeziehung aller Mitarbeiter ein Qualitäts-Management-System wichtig. Qualitätsbewußtsein muß geschaffen werden. Die Mobilisierung von Problemlösungsfähigkeiten und Kreativität sollte bei den Mitarbeitern gefördert werden. Verbesserungen in den Ablaufen müssen für die Mitarbeiter erkennbar werden.

Wichtiger Aspekt bei Qualitäts-Managment-Konzepten ist die Prozeßorientierung. Gerade im Krankenhausbereich ist das Denken in Prozessen nicht sehr ausgeprägt. Das Denken in Funktionen ist vorherrschend. Der Patient als Kunde muß so begriffen werden, daß ein klarer Behandlungsablauf von der Aufnahme über die eigentliche Behandlung bis hin zur Entlassung mit einer konkreten Zielsetzung festgelegt wird.

Als weiterer Punkt ist die präventive Orientierung wichtig, d.h. die Vermeidung von Fehlern, die Suche nach Fehlerursachen und deren Beseitigung. Es geht einher mit der kontinuierlichen Verbesserung von Behandlungsabläufen, z.B. durch Qualitätsverbesserungsprojekte oder die Vereinbarung erreichender Qualitätsziele. Des weiteren muß Qualitätsmanagement eine langfristige und dauerhafte Aufgabe sein, es muß sich im Betrieb, in der Klinik etablieren. Des weiteren ist klar, daß Qualität nur von qualifizierten geschulten Personal erreicht wird, d.h. die interne und externe Fort- und Weiterbildung zur Sicherung der Qualitätsziele ist Aufgabe aller.

Konkret sehen die Ziele eines systematischen Qualitätsmanagements folgendermaßen aus:

Wichtig ist die Sicherstellung eines attraktiven und konkurrenzfähigen Angebots durch die stärkere Berücksichtigung der Kundenerwartungen und der Kundenzufriedenheit, d.h. die Einrichtung bzw. die Klinik muß für ihr spezielles gutes Angebot bekannt sein. Des weiteren ist die Transparenz der Leistungen des gebotenen Qualitätsstandards gefragt, d.h. die Kostenträger und Patienten müssen bestimmte Leistungen auf einem hohen Standard erwarten können und dies muß ihnen auch sichtbar gemacht werden. Weiterhin ist die Sicherstellung und die Einhaltung fachlicher Standards wichtig, d.h. die Ausbildung der Mitarbeiter, die räumliche und personelle Ausstattung muß den Bedürfnissen angepaßt sein. Die Verbesserung von Leistungsabläufen ist ein weiteres Qualitätsziel was den internen Bereich betrifft, um eine qualifizierte Arbeit zu leisten, ist es weiterhin wichtig, daß die Mitarbeiter Zufriedenheit gestärkt wird, dies kann unter Umständen durch den Einfluß auf die Arbeitsgestaltung oder die Verbesserung von Arbeitsbedingungen erfolgen.

Kosteneinsparungen und höhere Kosteneffizienz ist ein weiterer Gesichtspunkt, ein weiteres Ziel von Qualitätsmanagement.

Zur Erreichung dieser Qualitätsziele bzw. eines geeigneten Qualitätsmanagements gibt es eine Reihe von Ansätzen, so ist eines der bekanntesten Qualitäts-Management-Systeme die DIN-ISO 9000. Darin sind die Mindestanforderungen an ein Qualitäts-Management-System dargestellt. So sind in der DIN-ISO 9000 Elemente von Qualitätssicherung festgelegt, die sich stark am produzierenden Gewerbe orientieren. Ein Problem dabei bildet die Umsetzung dieser Elemente in den Dienstleistungsbereich bzw. in den Gesundheitsbereich.

Kurz die Elemente der DIN-ISO 9002:

Diese 20 Elemente der DIN-ISO 9002 müssen im Rahmen des Qualitätsmanagement-Systems zur Erreichung einer Zertifizierung abgearbeitet werden und nachvollziehbar dem Zertifizierungsunternehmen dargelegt werden, was in Form einer Dokumentation, d.h. in Form eines Qualitätshandbuches erfolgt, worin die Aufbauorganisation die qualitätsbezogenen Aufgaben und Zuständigkeiten, die ablauforganisatorischen Regelungen und Organisationen dargestellt werden, sowie Verfahrensanweisungen und Arbeitsanweisungen erfolgen, die zur Sicherstellung der Qualitätsfähigkeit des Unternehmens beitragen.

Die Sicherstellung des qualitätsgerechten Verhaltens der Mitarbeiter wird darin über Verfahrensanweisungen und Arbeitsanweisungen beschrieben.

Dieses kurze Beispiel der DIN-ISO 9000 läßt erkennen, daß Qualitätssicherung eine sehr aufwendige Angelegenheit ist und macht deutlich, daß das Qualitätsmanagement aus dem produzierenden Gewerbe kommt. So sind viele Elemente dieser DIN-ISO 9000 nicht ohne weiteres übertragbar auf die Dienstleistungsbereiche weniger noch auf den Bereich des Gesundheitswesens. Daher stellt sich die Frage, wie geeignet ist dieses Qualitätsmanagement-System nach DIN-ISO für ein Krankenhaus oder den Gesundheitsbereich.

Weitere Qualitätsmanagement-Systeme wie das TOTAL QUALITY MANAGEMENT TQM finden im Krankenhaus Anwendung, ebenso bemühen sich die Krankenversicherungen um die Krankenhauszertifikate, die ihr eigenes Qualitätsmanagement-System darstellen sollen.

Es ist zu bemerken, daß an den verschiedensten Qualitätsmanagement-Konzepten gearbeitet wird und offensichtlich hat sich noch kein wirklich geeignetes Qualitätsmanagement-System für den Gesundheitsbereich herauskristallisiert, so bleibt die Frage ob es überhaupt dazu kommen wird, da die Strukturen im Gesundheitswesen bei uns sehr stark nach eigenen Kriterien aufgebaut sind.

Was sind nun die besonderen Aspekte von Qualitätssicherungmaßnahmen für Sozialarbeit?

Die Sozialarbeit hat die Aufgabe den Patienten im Krankenhaus zu betreuen und zu beraten. Das führt dazu, daß Sozialarbeit dafür bestimmte Qualitätsstandards und Qualitätsmerkmale festlegen muß.

Die Krankenhausbehandlung umfaßt neben der med. Behandlung die soziale Betreuung und Beratung der Versicherten im Krankenhaus durch den sozialen Krankenhausdienst somit der Sozialarbeit wie es im § 112 SGB V festgelegt ist, weiteres ist in den Landeskrankenhausgesetzen geregelt. Des weiteren regt der Krankenhaussozialdienst in geeigneten Fällen die Einleitung von medizinischen, beruflichen und sozialen Rehabilitationsmaßnahmen an. Dies bedeutet, daß Sozialarbeit im Krankenhaus einen Leistungskatalog erstellen kann, der die Abklärung, Vermittlung und Koordination und Beantragung nachfolgender Hilfen umfaßt, wie z.B. weiterer ambulanter Hilfen, teilstationären Hilfen, weitere rehabilitativer Hilfen sowie Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung.

Ziel ist es den Krankenhausaufenthalt insofern effizient zu gestalten, daß nachfolgende Hilfen möglichst frühzeitig einsetzen können und daß durch Beratung adäquate weitere rehabilitative oder ambulante Hilfen gefunden werden, die zur Erreichung dieser Ziele dienen. Prozeßdenken nicht allein das Handeln in Funktionen ist in diesem Zusammenhang wichtig.

Prozeßdenken im Krankenhaus heiß, daß der Patient von der Aufnahme bis zur Entlassung in ein Gesamtkonzept eingebunden werden muß. Die Sozialarbeit im Krankenhaus oder im Gesundheitsbereich hat dabei die Aufgabe koordinierend bei der Entlassung mitzuwirken, d.h. im einzelnen: der Krankenhaussozialdienst hat die Scnittstellenfunktion beim Übergang vom Krankenhaus in die ambulante Therapie bzw. die Schnittstelle zwischen Krankenhaus und weiteren rehabilitativen Einrichtungen oder eben bei Dialysebehandlungen die umfassende Betreuung der Dialysepatienten und den Kontakt zu weiterführenden Maßnahmen bzw. zur Sicherung des Behandlungserfolges.

Schnittstellenfunktion heißt enge Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, mit Behörden, mit Kostenträgern und anderen sozialen Diensten des Gesundheitsbereichs.

Wenn Prozeßdenken im Krankenhaus stattfindet, dann hat Krankenhaussozialarbeit eine ökonomische Funktion für den Kunden Kostenträger (z.B. der Krankenversicherung), in dem durch gezielte Arbeit die Entlassung richtig vorbereitet wird, so daß Folgekosten aus der Erkrankung minimiert werden, durch adäquate Hilfen Fehlbelegungen im Krankenhaus vermieden werden.

Der Patient erfährt eine effektive Beratung und eine effektive Weiterbehandlung bzw. Rehabilitation oder eine weitere Versorgung.

Um diese Ziele sicherzustellen muß der Sozialdienst im Krankenhaus bestimmte Qualitätsmerkmale und Qualitätsstandards erfüllen, das kann die räumliche Ausstattung betreffen, d.h. daß dem Sozialdienst entsprechende Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, ein Büro mit Beratungsecke, daß die räumliche Ausstattung behindertengerecht ist, daß dem Sozialdienst die technischen Hilfsmitteln zu seiner Beratung und zur Kommunikation mit externen Institutionen, Behörden und Ämtern zur Verfügung stehen. Weiterhin ist es wichtig, daß der Sozialdienst im Krankenhaus zentral gelegen sein sollte, für den Patienten gut erreichbar ist, daß technische Hilfsmittel wie Computer genutzt werden können, die das Beratungsangebot verbessern in dem aktuelles Informationsmaterial darüber abrufbar ist.

Weiterhin ist wichtig als Qualitätsmerkmale und Qualitätsstandards, daß die fachliche Qualifikation des Sozialarbeiters oder Sozialarbeiterin im Krankenhaus gewährleistet ist, die Ausbildungsvoraussetzungen gegeben sind. Weiterhin ist es notwendig, daß dem Sozialdienst eine methodische Fortbildung im Umgang mit den spezifischen Krankheitsbildern gewährt wird, daß eine kontinuierliche Weiterbildung und Supervision möglich ist, sowie die Teilnahme an institutionsübergreifenden Arbeitskreisen ermöglicht wird bei denen Informationen über aktuelle Regelungen im Gesundheitswesen weitergegeben werden.

Des weiteren müssen regelmäßige Dienst- und Fallbesprechungen ermöglicht werden und die Zusammenarbeit mit anderen Diensten im Krankenhaus im Rahmen der Prozeßorientierung muß gegeben sein.

Anhand dieser Aufzählungen von Qualitätsmerkmalen und Qualitätsstandards die erfüllt sein müssen um eine effektive Arbeit im Rahmen eines Qualitätsmanagements zu leisten, ist erkennbar, daß der Sozialdienst im Gesundheitswesen, insbesondere im Krankenhaus einen wichtigen Baustein bei der Qualitätssicherung darstellt.

 

Manfred Göbel
Dipl.-Sozialarbeiter
Kurpfalzkrankenhaus Heidelberg gGmbH
Bonhoefferstr. 5

69123 Heidelberg

 


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